Teenager die zu ihren Lieblingssongs performen und dabei teilweise an die Millionen Follower haben – die App TikTok ist ein ganz eigenes Universum für sich, das sich für Unternehmen mit einer sehr jungen Zielgruppe besonders lohnen könnte.

Was ist TikTok?

TikTok ist ein chinesisches Videoportal für Lippensynchronisation von Musikvideos und anderen Videoclips. Die App ist erhältlich für iOS und Android und wird vom Unternehmen Bytedance betrieben. Sie war im 1. Quartal 2018 mit 45,8 Millionen Downloads auf Platz 1 der App-Store Downloads. Am 2. August 2018 fand die Fusion mit Musical.ly (die beliebte westliche Variante von TikTok) statt, um zum einen den westlichen und östlichen Markt miteinander zu verbinden und zum anderen um ein allgemeines Größenwachstum zu generieren. Themen der App, welche auch Funktionen eines sozialen Netzwerks bietet, sind Vlogs, Unterhaltung und Comedy. Durch virale TikTok-Trends wurde vielen Songs und Personen zur Bekanntheit verholfen. Die Hauptzielgruppe sind weibliche Teenager, schätzungsweise zwischen 12 und 16. In Deutschland wird TikTok laut Bytedance durchschnittlich 8 Mal am Tag geöffnet und die Nutzer verbringen dort 39 Minuten ihrer Zeit.

Basics: So funktioniert TikTok

Da die App eine Videoplattform ist, geht es natürlich hauptsächlich um das Erstellen von Kurzvideos mit kreativen Effekten. Auch wenn dies erst etwas kompliziert klingt, leitet die App die Nutzer ziemlich gut durch ihre Funktionen. Um ein Video zu erstellen, sucht man sich zuerst einen Sound aus. Das kann entweder ein bekanntes Lied sein oder auch eine Comedy Sequenz. Man bekommt zusätzlich die Möglichkeit, Songs aus Wiedergabelisten zu wählen, sich Favoriten zu speichern und die Länge des Sounds zu bestimmen. Als Nächstes gelangt man in den Aufnahmebereich. Hier hat man verschiedene Optionen zur Auswahl: Auswahl der Aufnahmegeschwindigkeit, Aktivierung des Beautymodus, Auswahl von Farbfiltern, Auswahl des Freihandmodus oder Timers und falls gewünscht die Wahl zwischen verschiedenen Effekten und dem Einsatz von 3D-Elementen. Durch diese verschiedenen Modi sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Beispielweise könnte man zwischen Zeitlupe- und Zeitrafferaufnahmen wechseln, synchron zur Musik die Filter über das Video schieben, Splitscreens einbauen oder Effekte wie Regen und Herzchen nutzen. Die Bearbeitung ist je nach Videolänge schon in weniger als 10 Minuten geschafft. Mit einem Schnittprogramm hingegen hätte man für die gleichen Effekte sehr viel länger gebraucht.

Nach der Fertigstellung des TikToks geht es auch schon an die Veröffentlichung. Um besser von anderen Usern in Kategorien gefunden zu werden, empfiehlt es sich Hashtags zu verwenden. Alle Veröffentlichungen landen automatisch auch im Feed des Users. Danach kann man mit anderen Nutzern der App interagieren. Dies geschieht unter anderem durch das Verteilen von Herzen, Kommentieren, Folgen und Teilen. Erwähnenswert wäre hier noch die “Duet” Version, bei welcher man passend zu einem bereits vorhandenen TikTok ein Duett erstellen kann, um so gemeinsam mit der Zielperson in einem zusammengeführten TikTok aufzutauchen.

Verschiedene Bilder vom Erstellen eines TikToks im Aufnahmemodus.
So einfach wird ein TikTok im Aufnahmemodus erstellt.

Was hat TikTok für einen Nutzen für Unternehmen?

Als Unternehmen bietet sich hier vor allem die Chance, das junge Zielpublikum, welches laut inoffiziellen Angaben zwischen 12 und 16 Jahren alt ist (offizielles Mindestalter ist 13), mit kreativen Inhalten und wenig finanziellem Einsatz anzusprechen. Durch die ungewöhnlichen Features punktet die App und ist in Sachen Kreativität anderen Social Media Plattformen einen Schritt voraus. Es lohnt sich, auf schnelllebige Trends zu reagieren und abwechslungsreiche Spots zu kreieren, um so vielen Nutzern auf der Startseite angezeigt zu werden. Soll mehr Reichweite generiert werden, bietet sich vor allem für Mode- und Beautybrands eine Zusammenarbeit mit TikTok Influencern an. Diese können die TikTok Kampagne nämlich noch einmal bei ihren etlichen Followern promoten. Es besteht außerdem das „Early-Adopter “-Potential, denn sollte sich die Plattform durchsetzen, besitzt man einen großen Erfahrungsvorsprung gegenüber anderen Unternehmen und hat so einen Wettbewerbsvorteil.

Möglichkeiten auf TikTok aktiv zu werden

TikTok bietet einige Angebote, um an Reichweite zu gewinnen und sich eine Community aufzubauen. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, eine Challenge mit eigenem Hashtag ins Leben zu rufen. Die User könnten dann mit eigen kreierten Videos beispielsweise an einer Verlosung teilnehmen. Das Praktische an dieser Methode ist, dass die Zielgruppe bei Erfolg nicht nur die Botschaft sieht, sondern klassischen User-Content erstellt: Sie textet, tanzt, singt und filmt eigene Spots für die Marke. Außerdem ergibt sich durch die App eine weltweite Erreichbarkeit, auch nach China.

Die Plattform ist auch als Tool fürs Recruiting interessant. Dadurch, dass die Zielgruppe so jung ist und sich noch im Orientierungsprozess befindet, könnte man ganz gezielt Schüler zum Thema Ausbildungsstelle ansprechen. So haben es auch andere User getan, die unter dem Hashtag „lovemyjob“ kurze Videoclips von ihrem Arbeitsalltag hochgeladen haben, um anderen zu zeigen, wie ihre Arbeit aussieht.

Ebenso experimentiert TikTok momentan mit Werbeschaltungen. McDonald’s hat diese Funktion gleich als Erstes ausgetestet und ein Banner für ihre eigene Verlosung geschaltet, welches die Nutzer beim Öffnen der App direkt sehen konnten.

Mc Donald’s Werbespot für die #BigMacTikTok Challenge

Pizza Hut hat einen eigenen Filter mit ihrem Markenzeichen, dem kleinen roten Hut, erstellt. So konnten sie sich auf spielerische Art und Weise in die Köpfe der User bringen und die Markenbekanntheit steigern.

Fazit: Warum lohnt sich das Netzwerk für Marketers?

Da die Plattform noch recht jung ist, gibt es hierfür kein allgemeines Erfolgskonzept. Die Devise  heißt: Einfach experimentieren! Hat man aber sowieso eine sehr junge Zielgruppe, eignet sich die App hervorragend, um Präsenz zu zeigen. Zusätzlich muss gesagt werden, dass Kampagnen, Werbeschaltungen oder Kooperationen im Gegensatz zu anderen Social Media Plattformen noch recht preisgünstig sein können. Setzt sich die App wirklich durch, besitzt man den Vorteil, durch ein frühes Engagement einen enormen Erfahrungsvorsprung zu haben und kann sich dadurch von Unternehmen, die die App gerade erst als Neuling kennenlernen, definitiv abheben.